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02. Dezember 2011

ÖBF-STUDIE: 79% SEHEN ÖSTERREICHS NATUR DURCH KLIMAWANDEL BEDROHT

Wenig Bereitschaft, alte Gewohnheiten zu ändern - Bundesforste setzen Maßnahmen

79% der Bevölkerung oder acht von zehn Österreichern sehen Österreichs Natur durch den weltweiten Klimawandel bedroht. Dies ergab eine von den Österreichischen Bundesforsten (ÖBf) in Auftrag gegebene Studie (Quelle: Integral, n=1.006), die seit zehn Jahren regelmäßig durchgeführt wird. Damit werden die Folgen des Klimawandels heute kritischer eingeschätzt als zuvor. Bei der letzten großen Umfrage 2007 waren es noch sieben von zehn Österreicher oder 69%. Nur 17% antworteten auf die Frage "Glauben Sie, dass der Klimawandel die österreichische Natur bedroht?", mit "Nein", 4% mit "Weiß nicht".

Am kritischsten sind die Tiroler und Vorarlberger mit jeweils 90%, gefolgt von Kärnten (87%) und dem Burgenland (84%). "Wir leben von und mit der Natur", so Georg Erlacher, Vorstandssprecher der Bundesforste. "Kein anderes österreichisches Großunternehmen ist vom Klimawandel so betroffen wie die Bundesforste. Seit Jahren bereits beobachten wir Veränderungen und reagieren darauf."

Wenig Bereitschaft, alte Gewohnheiten zum Schutz des Klimas zu ändern

So sehr die Befragten Österreichs Natur bedroht sehen, so mäßig ist die Bereitschaft, alte Gewohnheiten zu ändern und selbst Ressourcen schonende Maßnahmen zu ergreifen. Immerhin 65% geben an, Dusche statt Wannenbad zu wählen, um Trinkwasser zu sparen.
54% haben bauliche Maßnahmen gesetzt, um Energie zu sparen. Auf den Einkauf von lokalen Produkten ohne lange Transportwege achten 48%, besonders vorbildlich sind die Vorarlberger mit 67%, Wien belegt mit 35% den letzten Platz. Die Bereitschaft, auf Urlaubsreisen mit dem Flugzeug zu verzichten, ist gering und liegt bei 36%. Schlusslicht ist wiederum Wien mit 22%. Und nur knapp ein Drittel der österreichischen Bevölkerung (32%) gibt an, die öffentlichen Verkehrsmittel beziehungsweise den Fußweg für ihre täglichen Wege zu nützen. Insgesamt ist ein leichtes Ost-West-Gefälle festzustellen, das dem Westen Österreichs ein besseres "Klimazeugnis" ausstellt als dem Osten des Landes.

Trockenstress und Wetterextreme

Erste Auswirkungen des Klimawandels auf Österreichs Wälder mussten die Bundesforste bereits feststellen. "Wir beschäftigen uns schon seit einigen Jahren mit der Frage: ’Wie klimafit sind Österreichs Wälder’?", so Erlacher. "Die durch die Klimaerwärmung stärker werdende Trockenheit bereitet speziell der Fichte, der wichtigsten Baumart Österreichs, Stress - in der Fachsprache auch ’Trockenstress’ genannt. In niedrigeren Lagen wird es für die Fichte immer schwieriger, ideale Wuchsbedingungen vorzufinden, ihre natürliche ’Grenze’ verschiebt sich in höhere Lagen."

Zudem wurden häufiger auftretende Wetterextreme festgestellt, insbesondere Stürme, die bereits zu starken Windwürfen geführt haben. "Wir hatten seit rund zehn Jahren kein ’Normaljahr’ mehr", stellt Erlacher fest. Sowohl Windwürfe als auch die zunehmende Trockenheit begünstigen die Lebensbedingungen für den Borkenkäfer, den bedeutendsten österreichischen Baumschädling. Er kann sich unter günstigen Umständen rasant ausbreiten und dringt klimabedingt mittlerweile auch in hohe, ehemals "sichere" Lagen - bis zur Baumgrenze - vor.

Wälder an Klimawandel anpassen

Durchschnittlich 124 Jahre wird ein Baum alt, bis er aus einem Wald der Bundesforste geerntet wird. "Wir entscheiden heute", sagt Erlacher, "ob und welche Bäume unsere Enkel und Urenkel ernten werden. Die Auswirkungen des Klimawandels in 100 Jahren müssen wir bereits jetzt berücksichtigen." Anhand von Klimamodellen werden Wachstums- und Klimaszenarien für das nächste Jahrhundert entworfen und danach entschieden, welche Baumarten gepflanzt werden. "Wir setzen bereits heute verstärkt Lärchen, da diese aufgrund ihres Wurzelsystems sturmsicherer und trockenresistenter sind. Es ist unsere Aufgabe und Verantwortung", so Erlacher abschließend, "Österreichs Natur nachhaltig zu nützen, zu schützen und für die nächsten Generationen zu erhalten."