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17. Februar 2012

Nach schwierigen Jahren können die heimischen Forstbetriebe für 2011 eine positive Bilanz

"Bis 2010 war die Situation von finanziellen Verlusten geprägt. Die rege Nachfrage nach Nadelsägerundholz, verbunden mit einer auskömmlichen Preissituation, hat im abgelaufenen Jahr die wirtschaftliche Lage der Betriebe stabilisiert", berichtete heute Felix Montecuccoli, Präsident der Land&Forst Betriebe Österreich. "Längst überfällige Investitionen können nun endlich getätigt und wirtschaftlich unrentable Lagen bewirtschaftet werden - wir befinden uns in positiver Aufbruchsstimmung", erklärte Montecuccoli. Als Wermutstropfen nannte er das Sparpaket der Bundesregierung, das die größeren landwirtschaftlichen Betriebe stärker treffen werde. Kritisch sehe er die Abgabe auf Flächenumwidmungen, wenn sich diese als generelle Verkaufssteuer für Grundstücke entpuppen sollte.

Nadelholzpreise deutlich gestiegen

Die erfreuliche Verbesserung der Nadelholzpreise war laut Montecuccoli der Motor für die positive Entwicklung am Rundholzmarkt. Die durchschnittlichen Preise für Nadelsägerundholz lagen 2011 bei rund EUR 94,- gegenüber 72,- noch im Jahr 2009. Auch beim Industrieholz waren Preisanpassungen möglich, derzeit werden durchschnittlich EUR 40,- je Festmeter gezahlt. "Triebkraft des erfolgreichen Wirtschaftsjahres war somit das Nadelholz. Die positive Stimmung rührt auch von der Tatsache her, dass große Stürme und Kalamitäten seit drei Jahren ausgeblieben sind. Zudem konnten vorbeugende Schutzmaßnahmen der Forstwirtschaft und die günstige Witterung größere Schäden durch den Borkenkäfer verhindern", erläuterte der Präsident.

Laubholz bleibt Sorgenkind

Während Nadelholz eine positive Entwicklung verzeichnet, kämpfen Forstbetriebe mit hohem Laubholzanteil nach wie vor um das Erreichen einer Gewinnzone in der Waldbewirtschaftung. Längere Produktionszeiten, geringere Ertragsleistungen, höhere Produktionskosten, deutlich geringere Anteile an ertragreichem Sägerundholz und niedrige Holzpreise sind massive Nachteile in der Bewirtschaftung von Laubwäldern. So liegt der aktuelle Buchenblochholzpreis bei EUR 74,-. Hier gab es in den vergangenen zehn Jahren einen kontinuierlichen Abwärtstrend, seit 2011 stagniert der Preis. Auch die Verarbeitungskapazitäten der heimischen Holzindustrie sind auf das Nadelholz konzentriert. Nur knapp 2% der heimischen Schnittholzproduktion kommen aus dem Laubholz. Von rund 1.200 inländischen Sägewerken gibt es nur rund
25 Betriebe mit dem Focus auf Laubholzverarbeitung.

"Im Schnitt der letzten Jahre wurden jährlich rund 160.000 Kubikmeter Laubschnittholz produziert. Hier wäre eine Optimierung
wünschenswert: Forschung und Innovation in der Laubholzverarbeitung sind die Gebote der Stunde, um Erträge in diesem Bereich mittel- bis langfristig zu erhöhen", formulierte Montecuccoli seine Forderungen an Wissenschaft und Wirtschaft.

Holzeinschlag auf Rekordhöhe

Der österreichische Holzeinschlag erreichte 2011 den Rekordwert von rund 20 Mio. Festmeter (fm), die durchschnittliche jährliche Nutzung lag bisher bei rund 18 Mio. fm. "Wir sind stolz, dass wir damit den Rückgang der Importe aus Deutschland und Tschechien für Österreichs Holzwirtschaft ausgleichen konnten. Die gute Kooperation entlang der Wertschöpfungskette und die Preissituation führten zur notwendigen Mehrnutzung", zeigte sich Montecuccoli erfreut. Vor allem aus dem Kleinwald seien zusätzliche Holzmengen gekommen. Die nachhaltig lukrierbare Verfügbarkeit von Holz in Österreichs Wäldern liege bei 20 bis 22 Mio. Erntefestmeter. Das vorhandene Rohstoffpotenzial sei 2011 also sinnvoll genutzt worden.

Die Situation für die Sägeindustrie bleibt jedoch weiterhin angespannt, da die Schnittholzpreise weiter stagnieren und im Winter leicht rückläufig sind. Diese Anspannung am Markt kann laut Montecuccoli jedoch nicht durch eine Senkung der Rundholzpreise gelöst werden. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigten, dass solche Preissenkungen sehr rasch zu einem weiteren Rückgang der Schnittholzpreise führen, da das Kernproblem in der Überkapazität der europäischen Sägeindustrie liege, die für ehemalig volumenstarke Exportabsatzmärkte wie die USA errichtet wurden.

Forstwirtschaft bleibt spannend

"Der Spielraum der Forstbetriebe für eine gute wirtschaftliche Lage bleibt äußert gering. Im Gebirgsland Österreich ist die Holzernte in vielen Lagen kostenintensiv. So kostet die Seilkranbringung in den Alpen bergab mehr als das Doppelte der Harvesternutzung in Niederbayern. Erhebliche Kosten verursachen notwendige Investitionen in Waldbau und Infrastruktur, insbesondere in Forststraßen, sowie die fachgerechte Betreuung der Wälder durch gut ausgebildetes Personal", gab der Präsident zu bedenken. Bereits eine Senkung der Holzerträge um EUR 10,- würde die Bewirtschaftung schwieriger Lagen in Frage stellen und die Erhaltung des Schutzwaldes gefährden. "Die Schutzwaldverjüngung war eine seit Jahren überfällige Notwendigkeit", erläuterte Montecuccoli.

Mischwälder mit hohem Nadelholzanteil als Zukunftschance

"Um die vielfältigen Funktionen des Waldes zu erhalten, ist seine Bewirtschaftung unumgänglich. Die Anforderungen an den Forst werden immer vielfältiger: Zahlreiche politische Konzepte - von green jobs bis zur Klimastabilisierung - bauen auf erneuerbaren Rohstoffen, insbesondere Holz, auf. Zudem ist die Schutzwirkung bei wachsenden Siedlungsgebieten wesentlich. Immer mehr Menschen suchen in ihrer Freizeit den Wald auf. Dem steigenden Nadelholzbedarf der Industrie muss ebenfalls nachgekommen werden.
Die Potenziale des heimischen Waldes müssen daher gezielt genutzt und gesteigert werden", gab Montecuccoli zu bedenken. Das Konzept für die Zukunft sei eine nachhaltige Intensivierung: Mischwälder mit höherem Nadelholzanteil hätten aus ökonomischer Sicht viele Vorteile und würden ökologisch keine Nachteile bringen, gab der Präsident die Zielrichtung vor.

Sparpaket wirkt sich schmerzhaft aus

Die nachhaltige Intensivierung der Waldbewirtschaftung benötige eine Reihe von politischen Rahmenbedingungen. "Die Fundamente sind dabei ein sicheres Eigentum, der Erhalt des Wertes der Familie und ein stabiler Staat. Dazu gehören ein faires steuerliches Umfeld und die unbeschränkte Möglichkeit des Vererbens der Familienbetriebe", betonte Montecuccoli. Er verwies in diesem Zusammenhang auf das Sparpaket der Bundesregierung, das größere land- und forstwirtschaftliche Betriebe stärker treffen werde. So bedeute etwa allein die Hebesatzerhöhung beim Grundsteuermessbetrag von 400 auf 700% für einen Betrieb mit 1.000 ha Wald eine zusätzliche Belastung von EUR 1.500,-. Die wegfallende Mineralölsteuer-Rückvergütung führe zu einem weiteren Minus von EUR 1.200,-. Zur Abgabe auf Umwidmungen habe sich die Landwirtschaft grundsätzlich bekannt, allerdings sollte daraus nicht eine generelle Verkaufssteuer für Grundstücke werden, forderte der Präsident. Die Hauptfeststellung bei den Einheitswerten sollte aus Sicht des Verbandes so rasch wie möglich kommen, um eine Anpassung an die geänderten Bewirtschaftungsverhältnisse zu erreichen.

Weitere großflächige Schutzgebiete für künstliche Urwälder zu schaffen, seien ebenfalls nicht zielführend. "Die Stilllegung von Flächen bedeutet eine Mehrnutzung auf anderen Flächen und den Austausch von nachwachsenden durch fossile Rohstoffe. Die politische Aufgabe ist es, den Wirkungsgrad der Energienutzungen zu steigern, emissionsfreie Energiequellen zu fördern und den Einsatz klimaneutraler biogener Rohstoffe zu maximieren.
Wissenschaft und Forschung müssen sich auf die Genetik der Waldbäume konzentrieren und Modelle und Richtlinien für nachhaltig intensivierten Waldbau erarbeiten. Der Einsatz biogener Rohstoffe in allen Bereichen industrieller Verwertung muss vorangetrieben werden", verlangte der Präsident der Land&Forst Betriebe.