Am 5. Juni 1924 erblickte Rudolf Frauendorfer in Molln (OÖ) das Licht der Welt. Die hundertste Wiederkehr dieses Datums gibt Anlass, diesem herausragenden österreichischen Forstmann zu gedenken und seine großen und bleibenden Verdienste um das österreichische Forstwesen, den Fachbereich der Forstökonomie und die Universität für Bodenkultur Wien seinen Wegbegleitern und Schülern in Erinnerung zu rufen bzw. jüngeren Generationen gegenüber aufzuzeigen (sh. auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Frauendorfer).

Als Sohn eines Försters war Rudolf Frauendorfer von Jugend an mit der praktischen Seite der Forstwirtschaft vertraut. Nach dem Studium der Forstwirtschaft an der damaligen Hochschule für Bodenkultur führte sein beruflicher Lebensweg über Stationen bei den österreichischen Bundesforsten, der Waldstandsaufnahme und der Lehrkanzel für Forsteinrichtung schließlich 1954 an die Forstliche Bundesversuchsanstalt Mariabrunn. Dort baute er das Institut für Ertragskunde und Betriebswirtschaft auf. Mit seiner Dissertation ‚Massentarife für Fichte‘ promovierte Frauendorfer im Jahre 1953 zum Doktor der Bodenkultur. Darauf folgte 1959 die Habilitation für Forsteinrichtung auf Grundlage der Schrift ‚Betriebswirtschaftliche Untersuchungen im steirischen Bauernwald‘. 1967 erfolgte die Berufung zum Ordinarius für Forstliche Betriebswirtschaftslehre und Forsteinrichtung an der Hochschule für Bodenkultur. In seine Ära fallen Aufbau und Blütezeit der Forstökonomie an der BOKU. So hat er sich auch in besonderem Maße um die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses verdient gemacht. Im Zeitraum von 1974 – 1980 war er zudem als Rektor bzw. Prorektor maßgeblich an der Modernisierung des Hochschulwesens beteiligt. Im Jahr 1992 emeritierte Prof. Frauendorfer. Am 5. November 2012 ist der Nestor der österreichischen Forstökonomie em.Univ.Prof. Dipl.Ing. Dr. Dr.h.c. Rudolf Frauendorfer in seinem 89. Lebensjahr verstorben.

Im Zuge seines wissenschaftlichen Schaffens hat Frauendorfer dem Fachbereich wichtige Impulse vermittelt, die auch für die Praxis und das Forstwesen insgesamt nachhaltig von größtem Wert sind. Die forstbetriebliche Praxis vom bäuerlichen Kleinwald bis zu den Österreichischen Bundesforsten war für ihn nicht nur Erkenntnisobjekt seiner Forschungstätigkeit, sondern es war ihm auch die Transformation des Fachwissens stets ein großes Anliegen. So hat er hat schon früh Transdisziplinarität in vorbildlicher Weise gelebt. In seiner Funktion als Vizepräsident des Österreichischen Forstvereins hat er sich insbesondere auch um die forstspezifische Weiterbildung von AHS-Lehrern verdient gemacht.

Wahre Meilensteine hat Frauendorfer in folgenden Bereichen gesetzt:

DGZ-Ertragstafel: mit der Entwicklung von auf Absolutertragsklassen basierenden Wuchsmodellen wurde ein grundlegender Fortschritt im Bereich der ertragskundlichen Grundlagen der Forsteinrichtung erzielt. Die DGZ-Ertragstafeln waren auch eine wesentliche, methodische Basis für die Neuorientierung der Waldbewertung.

Stichprobeninventur: das methodische Konzept der Stichprobeninventur wurde zur Praxisreife entwickelt und erfolgreich als Alternative zum traditionellen Altersklassenverfahren der Forsteinrichtung etabliert.

Kostenrechnung und Betriebsanalyse: die moderne forstliche Betriebsabrechnung ist nach wie vor das zentrale, methodische Element forstlicher Testbetriebsnetze. Die über Jahrzehnte auf- und ausgebaute Infrastruktur zur empirischen, betriebswirtschaftlichen Forschung ist von besonderem Wert für die Forstpolitik ebenso wie für die betriebliche Praxis und die Wissenschaft. Die damit im Zusammenhang entwickelte, kostenrechnerisch orientierte Betriebsanalyse hat sich als methodischer Forschungsansatz einerseits und als praktisches Rationalisierungshilfsmittel andererseits vielfach bewährt.

Waldbewertung: methodische Beiträge zur Waldbewertung sind insbesondere auch in das System der forstlichen Einheitsbewertung eingeflossen.

Bäuerliche Waldwirtschaft: in der sowohl ertragskundlichen als auch sozio-ökonomischen Analyse dieser besonderen Eigentumsform wurde Pionierarbeit geleistet. Mit einer Serie von Arbeiten wurde ein empirisches Fundament geschaffen, das wesentlich zum besseren Verständnis und in weiterer Folge auch zur praktischen Problemlösung beigetragen hat.

Obwohl persönlich alles andere als ein Freund von Ehrungen hat Rudolf Frauendorfer im Laufe seiner Karriere doch einige Auszeichnungen für seine Verdienste mit Wertschätzung bedacht und daher auch angenommen. So erhielt er 1981 den Ehrenring der Universität für Bodenkultur in Anerkennung seiner Leistungen als Rektor in einer hochschulpolitisch kritischen Phase. Der Österreichische Forstverein hat sein engagiertes Wirken für das Forstwesen durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft im Hauptausschuss gewürdigt. An der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg nahm er 1989 den Karl Abetz Preis für seine Arbeiten zur bäuerlichen Waldwirtschaft entgegen. Sein wissenschaftliches Lebenswerk wurde schließlich 1995 von der Ludwig-Maximilians Universität München mit dem Ehrendoktorat gewürdigt.

Rudolf Frauendorfer hat immer wieder neue Wege beschritten und auch demonstrativ mit Konventionen und Traditionen gebrochen, wenn diese ihm nicht mehr zeitgemäß oder sinnvoll erschienen sind. Kraft seiner fachlichen Autorität und seiner gewinnenden Persönlichkeit hat er von seinen Kollegen, Schülern und Freunden stets ein besonderes Maß an Anerkennung und Wertschätzung erfahren. Auch durch seine menschliche Größe war er Vorbild für Generationen. Wer das Privileg hatte ihn persönlich zu kennen wird sich ihm zeitlebens dankbar verbunden fühlen und ein ehrendes Andenken bewahren.

Walter Sekot