Rückendeckung durch Gesellschaft und weitere Mittel für klimafitte Wälder unverzichtbar

Warum es eine aktive Anpassung der Wälder an den voranschreitenden Klimawandel samt Fortführung der Waldfonds-Maßnahmen braucht, erläutert LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. Gleichzeitig stellt dieser klar, dass es statt einer ideologischen Sichtweise eine faktenbasierte Anpassung der EU-Vorgaben und -Gesetze an die Realität braucht.

 Die diesjährigen Niederschlagsdefizite zeigen deutlich: Ohne Wasser können Pflanzen nicht wachsen, im Extremfall sterben sie sogar ab. Während Menschen in unseren Breiten einfach zur Wasserflasche greifen können, ist der Wald ausschließlich auf ausreichende Niederschläge im Winter und in der Vegetationszeit angewiesen. „Fehlt der Regen, schränken die Bäume nicht nur ihr Wachstum ein, sondern verlieren auch an Widerstandskraft gegenüber Schadinsekten wie dem Borkenkäfer“, erklärt Moosbrugger die natürlichen Gesetzmäßigkeiten. „Im Vorjahr ist der Schadholzanteil laut Holzeinschlagsmeldung des BMLUK zwar auf rund 33% zurückgegangen. Wenn es aber nicht ausgiebig regnet, kann sich das sehr rasch wieder in eine negative Richtung ändern. Der aktuelle Regen ist bei den niedrigen Grundwasserständen bisher nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, gibt der Präsident zu bedenken.

Wälder aktiv an Klimawandel anpassen und klimafit machen

Der vom Menschen verursachte Klimawandel ist eine gesellschaftspolitische Herausforderung, die Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer mittlerweile tagtäglich bei ihrer Arbeit spüren. „Hoffnung alleine wird nicht ausreichen, damit der Wald auch in Zukunft seine vielfältigen Funktionen für uns alle erfüllen kann. Waldbäuerinnen und Waldbauern brauchen vielmehr Rückendeckung der Gesellschaft, um ihre Flächen und Bestände an den rasch voranschreitenden Klimawandel anpassen zu können“, betont Moosbrugger.

„Zu diesem Zweck ist es etwa notwendig, durch Borkenkäfer oder andere Naturereignisse wie Stürme oder Schneebruch geschädigte Flächen rasch aufzuarbeiten und wieder aufzuforsten oder bestehende Wälder an den Klimawandel anzupassen. In weiterer Folge sind jene Arten ‚herauszupflegen‘, also stehenzulassen oder aktiv aufzuforsten, die laut Wissenschaft die besten Chancen haben, auch in siebzig bis hundert Jahren mit dem Klima zurechtzukommen. Als besonders widerstandsfähig und somit klimafit gelten strukturreiche Mischbestände, also Wälder, die über junge und ältere Bäume unterschiedlicher Spezies verfügen. Solche Wälder entstehen in der benötigten Geschwindigkeit nicht von alleine“, erklärt der LKÖ-Präsident die Sinnhaftigkeit verschiedener Waldfonds-Maßnahmen, allen voran die Wiederaufforstung und die Errichtung klimafitter Wälder.

„Der Waldfonds mit seinen vielfältigen, zukunftsweisenden Maßnahmen hat sich als geeignetes Instrument erwiesen, allerdings sind inzwischen fast sämtliche Mittel ausgeschöpft. Trotz aller Sparzwänge braucht es weiterhin die finanzielle Unterstützung für jene Maßnahmen, welche die Widerstandskraft der Wälder stärken – im Sinne der gesamten Gesellschaft und Lebensvielfalt. Die Waldbäuerinnen und Waldbauern wollen auch in Zukunft motiviert den Waldumbau vorantreiben, brauchen dafür jedoch die Unterstützung durch die Öffentlichkeit“, appelliert Moosbrugger eindringlich an die Politik.

Enorme Leistungen der multifunktionalen Waldwirtschaft für Gesellschaft

Trotz aller klimabedingten Herausforderungen, die in der Forstwirtschaft seit 1990 massiv zu spüren sind, haben die nachhaltige, multifunktionale Waldbewirtschaftung und Holznutzung in den letzten Jahrzehnten Enormes für die Gesellschaft geleistet: Einerseits konnte der Holzvorrat im Wald seit 1990 um 255 Mio. Vorratsfestmeter erhöht werden. Andererseits wird in den gewonnenen Holzprodukten, die oftmals erdölbasierte bzw. energieintensiv hergestellte Produkte ersetzen, zusätzlich Kohlenstoff über lange Zeiträume gespeichert. Darüber hinaus wurde die Atmosphäre mit dem Ersatz von Kohle, Erdöl und Erdgas durch Holzenergie seit 1990 um rund 430 Mio. Tonnen fossiles CO2eq entlastet. Das entspricht ungefähr 6.230 Flügen von Wien nach Brüssel und retour.

EU-Vorgaben faktenbasiert an Realität anpassen, nicht an ideologische Wünsche

„Wachstum und Funktionsweise des Waldes folgen Naturgesetzen und nicht dem ideologisch geprägten Wunschdenken einzelner Personengruppen. Der Wald, für den der Klimawandel eine enorme Krise ist, wächst aufgrund ausgeprägter Dürrephasen nicht mehr so gut wie im letzten Jahrhundert. Außerdem kann der Wald auf einer bestimmten Fläche, vergleichbar einem Wasserglas, nicht unendlich Kohlenstoff aufnehmen. Wer anderes glaubt oder fordert, hat die Naturgesetze und Entwicklungen nicht verstanden“, zeichnet Moosbrugger – gegenüber wiederholten Falschmeldungen – ein verständliches Bild.

„Vorhandene EU-Gesetze, wie die Verordnung zur Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF) müssen an die Realität und den Klimawandel angepasst werden und wissenschaftlichen Erkenntnissen folgen“, gibt Moosbrugger Landwirtschafts- und Forstminister Norbert Totschnig Rückendeckung, der sich auf EU-Ebene ebenfalls für eine realitätsgetreue Anpassung der Treibhausgas-Bilanzierung bei der Landnutzung einsetzt.

Seit 1990 wurde eine Jahresdurchschnittstemperatur erreicht und überschritten, die die Vermehrung des Borkenkäfers enorm begünstigt hat und damit den Anteil an Kalamitätsholz ansteigen ließ.

 

Die akkumulierte Senkenleistung der Forstwirtschaft und der Holzprodukte (HWP – Harvested Wood Products) sowie die Substitutionswirkung des Holzenergieeinsatzes erzielt in Österreich seit 1990 den gewaltigen Klimaschutzbeitrag einer Atmosphärenentlastung um ca. 900 Mio. t fossilem CO2eq (Datenquelle: UBA – LULUCF, Statistik Austria, REDIII).

 

Rückfragen & Kontakt:
Mag. Claudia Jung-Leithner
Pressesprecherin & Leitung Kommunikation LK Österreich
Tel.: +43 676 83441 8770
E-Mail: c.jung-leithner@lk-oe.at

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